Die Faktenlage ist klar. Ausser man ist vom wissenschaftsfeindlichen und wirklichkeitsverweigernden Typ. Wir haben nicht nur eines, sondern einen ganzen Haufen an massiven Problemen betreffend die Bewohnbarkeit des Planeten für Menschen. Sechs von neun planetaren Grenzen überschritten, beschleunigte Erhitzung an Land und im Meer, Massenaussterben, Kipppunkte – und als Konsequenz ganz viel Leid. Da gehe ich hier gar nicht weiter darauf ein und verweise an die einschlägigen Stellen. (Weil die Medien hierbei ihren Job nicht machen, empfehle ich sehr, auf X den Wissenschafter:innen und Fachleuten zu folgen.)

Aber was können wir denn hier in Buchs machen? Sind wir denn schon gut unterwegs? Haben wir überhaupt einen Einfluss, als kleine Stadt? Wir müssen hierbei in zwei Richtungen denken: Schutz und Anpassung. Schutz im Sinne von Verhinderung der Eintretenswahrscheinlichkeit von Katastrophen, sozusagen retten was zu retten ist – jedes Zehntelgrad zählt, jedes vermiedene Gramm PFAS, und jeder Quadratmeter erhaltener Lebensraum für andere Erdenbewohner:innen. Und Anpassung im Sinne von Vorbereitung auf die Auswirkungen, die aufgrund des bisher angerichteten Schadens und der Trägheit des Erdsystems schon eingetreten sind oder unabhängig jeglichen Verhaltens noch eintreten werden. (Ich klammere da Frage der Quantifizierung von Eintretenswahrscheinlichkeiten hier aus – das diskutieren wir lieber bei einem kühlen Getränk.)

Zuerst zum Schutz: Es ist völlig klar, welche schädlichen Einflüsse weg und welche schädlichen Handlungen unterlassen werden müssen, und auch, in welchem Ausmass und in welcher Geschwindigkeit das geschehen muss (Spoiler: sofort!). Was kann die Stadt Buchs hierbei unternehmen? Der Klimafonds bietet finanzielle Anreize (oder, je nach Sichtweise, Unterstützung) bei der Reduktion der Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor sowie beim Erhalt der Biodiversität. Dieses Angebot ist noch ziemlich ausbaubar, zum Beispiel auf den Bereich Mobilität, und – mit etwas Anstrengung und Bereitschaft zum Experimentieren – bestimmt auch auf den Bereich Ernährung und Konsum(!). Und wenn man wirklich in der noch zur Verfügung stehenden Zeit etwas erreichen will, dann braucht’s mehr Geld. Viel mehr. Natürlich tauchen Fairnessfragen auf, wenn der Staat plötzlich einem unwilligen Hausbesitzer praktisch den kompletten Heizungsersatz bezahlt. Aber: Was ist denn die Alternative? Sich mit den Unwilligen und Uneinsichtigen in den Abgrund reissen zu lassen? (Das führt dann plötzlich zu ganz anderen Fairnessfragen, die hier nicht diskutiert werden sollen. Das Angebot mit dem kühlen Getränk steht noch.)

Und nebst dem Klimafonds? Jegliches Handeln der Stadt muss vorbildlich sein und im Einklang mit den übergeordneten Zielen stehen. Also nur noch Bauten aus Holz und Lehm, Netto-Null-Versiegelung, vegane Aperos und keine Parkplätze für Mitarbeiter:innen, die fossil anreisen. Zum Beispiel. Die konkreten Details sollte natürlich partizipativ (siehe Kapitel 2) erarbeitet werden und bergen offensichtlich noch einiges an Klärungsbedarf. Die Richtung ist hingegen klar. Und dann werden diese Bedingungen auch auf alle angewendet, die etwas von der Stadt wollen. Bauen, Mieten, finanzielle Unterstützung, Bewilligungen etc. Ja, das führt zu Vorschriften, und auch zu Verboten. Aber nochmals: Was ist denn die Alternative?

Damit das klappen kann, braucht es einerseits Vorbilder und andererseits eine ehrliche Komunikation – eben betreffend die Frage nach der Alternative (oder viel mehr der düsteren Antwort darauf). Nur dann können wir alle hier lebenden Menschen bei der notwendigen Transformation der Gesellschaft begleiten.

Und dann ist da noch die Anpassung. Anpassung zuerst an Hitzewellen, Starkregen und Dürren, und wenn man weiterdenkt auch an Flüchtlingswellen, Hungersnot und Krieg. Wir bleiben hier mal bei den ersten dreien und ignorieren das Hufgetrappel von vier Pferden (eines davon ziemlich fahl).

Schwammstadt ist in Buchs ein wichtiges Thema, ebenso Beschattung und Biodiversität. Das Bewusstsein dazu hat sich in den letzten Jahren in eine gute Richtung entwickelt – optische Argumente („sieht super aus, wenn die Strasse von lauter gleichen Bäumen gesäumt wird“) zum Beispiel sind auf dem Rückzug. Leider noch zu langsam und zu wenig weit. Wir sollten uns nicht mit umliegenden Gemeinden vergleichen und unsere Fortschrittlichkeit bejubeln, sondern den Blick einerseits auf die wirklich fortschrittlichen Städte (weltweit!) richten, und andererseits die Prognosen im Blick behalten. Der letzte Punkt betrifft zum Beispiel Hochwassersicherheit und Abflüsse. Die Vorgaben dazu basieren auf historisch-statistischen Werten und sind in unserem nicht mehr linearen Zeitalter einfach nicht mehr zu gebrauchen. Eine Planung gemäss Vorschrift (vgl. auch Kapitel 3) tut’s dann eben nicht.

Dürren sind noch etwas ganz anderes und bringen uns zur Versorgungssicherheit. Sache von Kanton oder gar Bund – da müssen/können/dürfen wir nichts tun. Und wir haben in der Pandemie ja gesehen, wie toll Bund und Kanton für Katastrophen vorbereitet sind. Zudem: Bei einer richtigen (nicht lokalen) Katastrophe muss lokal gehandelt werden, weil die grösseren Strukturen eh nicht mehr zur Verfügung stehen. Also konkret: Wir brauchen eine realistische lokale Katastrophenplanung. Am besten zusammen mit der Ortsgemeinde als Eigentümerin „unserer“ Landwirtschaftsflächen.